Laufen mit Überlastungsproblematik im Unterschenkel

18.11.2014 | Von val
Laufen mit Überlastungsproblematik im Unterschenkel
Verletzungen
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LAUFZEIT & CONDITION-Leser Guido L. fragt: Lieber Dr. Ziegler, bin 51 und wiege bei 1,79 m 73 kg. Höhepunkt meiner Vorbereitungen auf einen Marathon im April 2014 war mein Lauf über 35 km im Flachland, bei dem ich mir wohl eine Verletzung zugezogen habe. Ich absolviere seit gut drei Jahren monatlich ca. 150 km in 10-12 Läufen, zuletzt in diesem Februar gesteigert auf 190 km pro Monat in 11 Läufen, die meisten im Mittelgebirge (Hunsrück), je Lauf 200-500 Hm.

Erst auf Ihrer Seite las ich, dass das nicht immer gut sein muss. Jedoch meinte ich, mir so weitere Trainingsformen wie Fahrtspiel u. ä. ersparen zu können. Meine Leistung verbesserte sich kontinuierlich und dies ohne gesundheitliche Probleme. Alle zwei Wochen experimentierte ich bisher mit nearly barefoot Schuhen, um so gewisse Reize für Bänder und Sehnen zu setzen. Meine Perspektive war dabei, häufiger relativ leichte Schuhe mit wenig Sprengung tragen zu können, die mich natürlich auch von der Gewichtsseite her entlasten und mich so schneller machen. Mein aktueller Befund: Der Schmerz befindet sich in einem geröteten Areal am Unterschenkel und zwar an der Innenseite im Dreieck Knöchel, Ferse und untere Wade. Ich habe Ihnen ja hierzu auch ein Foto zur Verfügung gestellt. Ich hoffe natürlich, es sind „nur“ die Muskeln und nicht die Sehnen. Vielleicht ist ja auch nur ein Gefäß geplatzt. Nach dem Lesen Ihrer Beiträge in LAUFZEIT & CONDITION habe ich bisher folgende von Ihnen ja bereits an anderer Stelle empfohlene Maßnahmen ergriffen: Nächtlicher Salbenverband mit Ichtholan® 50% Salbe plus Ibutop® Creme. Außerdem mache ich mir regelmäßig einen Fruchtsalat aus exotischen Früchten wegen des hier ja gegebenen hohen Enzymgehalts, lass Alkohol vorerst weg und mache auch gezielte Stretching-Übungen an einer Treppenstufe. Ansonsten ist Schonung angesagt. Werde ab kommender Woche Lauftraining mit nur 2 x 8 km einplanen, um so baldmöglichst wieder zu genesen und den Marathon laufen zu können. Was meinen Sie, könnte das klappen? Herzlichen Dank vorab und Gruß.

 

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Vorab der Hinweis, dass meine online-Beratungen generell nur als allgemeine Empfehlungen zu verstehen sind, die Sie daher dann bitte nochmals mit Ihrem behandelnden Arzt/Orthopäden durchsprechen und abstimmen sollten. Gemäß dieser Vorgabe nachfolgend meine gewünschten Überlegungen und Ratschläge:

Ich würde zunächst einmal für ca. 14 Tage eine komplette Laufpause einlegen, bis die Diagnose definitiv steht und das Beschwerdebild komplett zurückgegangen ist. Erlaubt sind natürlich Kräftigungs-, Dehn- und Stabilisierungs-Übungen.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, gab es bei Ihnen ja keine Akutverletzung (z.B. Umknicken oder Ähnliches), die Ihrem Beschwerdebild vorausging. Vielmehr traten Ihre Schmerzen und die Schwellung an beschriebener Stelle ja erst mit einem zeitlichen Intervall zu Ihrer Trainingseinheit auf. Insofern muss man bei Ihnen von einem Überlastungs- bzw. Fehlbelastungssyndrom ausgehen, aus welchen Gründen auch immer.

Als mögliche Ursache denke ich bei Ihnen v.a. an eine ausgeprägte Fußfehlstatik (v.a. Senk-Knickfüße), wobei Ihr regelmäßiges Trainieren mit Barfußschuhen („Natural Running“) auf hartem Untergrund die Symptomatik dann evtl. der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. Eine nicht optimale Fixierung der Ferse im Schuh wg. falscher Schnürung an der obersten Öse könnte die Problematik zusätzlich verstärken. Allerdings treten bei Senk-Knickfüßen die Beschwerden meist beidseits auf, worauf Sie allerdings nicht näher eingingen. Entsprechend sollten Sie alle Ihre aktuell im Gebrauch befindlichen sowie dann auch die zukünftig erworbenen Laufschuhe mittels videogestützter Laufbandanalyse hinsichtlich des Ihrerseits benötigten Anforderungsprofils checken lassen. Vielleicht rennen Sie ja die ganze Zeit mit den falschen Laufschuhen herum. WICHTIG: Ein Laufschuh hält bzgl. seiner Dämpfungselemente und seines Sohlenprofils so etwa. 2.000-2.500 km, je nach Körpergewicht und Laufleistung pro Jahr. Schwere LäuferInnen und nur gelegentlich Laufende sollten allerdings bereits nach 12-18 Monaten und dann entsprechend unabhängig von der Laufleistung die Funktionalität überprüfen lassen.

Die bei Ihnen aufgetretene flächige Rötung befindet sich eigentlich gemäß der Vorgeschichte an untypischer Stelle. Sollten Sie gerötete Stellen zuvor bereits auch an anderen Körperstellen registriert haben, sollten Sie laborchemisch unbedingt eine Borrelien-Infektion nach Zeckenbiss ausschließen lassen. Wo Sie dann ja sowieso angezapft werden, würde ich gleich den 25-OH-Vitamin D-Spiegel mitbestimmen lassen. Kann es doch bei einem Vitamin D-Mangel ( = 25-OH-Vitamin D-Spiegel <30 ng/ml) auf Dauer zu mehr oder weniger ausgeprägten neuromuskulären Störungen kommen, die dann das Umknicken bzw. Einknicken begünstigen könnten und dann Ihr Problem weiter verstärken.

Toll, dass Sie ja bereits ernährungsbezogen und medikamentös gegengesteuert haben In Ihrem Fall würde ich eine Enzymtherapie für mindestens 4 Wochen fortsetzen. Nehmen Sie zusätzlich ein Magnesium-Präparat. Hier liegt das Magnesium organisch gebunden vor, was im Körper eine bessere Verfügbarkeit garantiert, zusätzlich vorhandenes Vitamin B 6 greift ebenfalls in die Steuerung der Regenerationsprozesse eine, was den Heilverlauf begünstigt.

Ja, dann gute Besserung und toi, toi, toi, dass meine Tipps zur baldigen Genesung beitragen können!

Ihr Dr. Ziegler

Foto: thinkstock

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