Das Smartphone als Personal Trainer

18.08.2014 | Von Julia Rickelt
Das Smartphone als Personal Trainer
Ausrüstung
0

 

Das Smartphone ist heute für viele Ausdauersportler ein ständiger Begleiter. Mithilfe ausgefeilter Apps können nicht nur Läufer ihren Personal Trainer im Miniformat mit auf die Strecke nehmen. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) hat ermittelt, dass mittlerweile jeder Zweite der sportlich aktiven Deutschen mobile Geräte nutzt, um zum Beispiel Musik zu hören oder die Leistung zu messen. Doch sind entsprechende Applikationen tatsächlich hilfreich und welches Zubehör benötigen Sportler, um die Fähigkeiten von Apps auch bedienfreundlich einzusetzen?  

In einem Vierteljahr, wenn in Bonn am Rhein wieder weit über 10.000 Läufer an den Start gehen, möchte Malte (28) zum ersten Mal einen Halbmarathon laufen. Der Hobby-Läufer hat sich eine Zielzeit von unter einer Stunde und 45 min gesetzt. Um zu trainieren, macht er sich mehrmals die Woche auf den Weg in die Rheinauen, die für ihn schnell zu erreichen sind und glücklicherweise sogar die spätere Wettkampfstrecke darstellen. Die schöne Natur dort eignet sich besonders, um den Alltag hinter sich zu lassen und sich auf den eigenen Körper zu konzentrieren. Und – mit dem neuen Ziel vor Augen – erstmals auch besonders auf die eigene Leistung. Immer dabei hat Malte sein Smartphone: Ursprünglich, um beim Laufen Musik zu hören, doch seit ein paar Tagen ist auf dem Gerät auch eine Running-App installiert. Und damit ist er nicht der Einzige: Laut einer Verbraucherumfrage des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) treiben 82 % der Deutschen gelegentlich Sport. Mehr als jeder Zweite nutzt dabei Technologien zum Musikhören oder Messen der Leistung. Rund 50 Prozent der unter 29-jährigen Sportler haben beim Schwitzen ihr Smartphone dabei.

„Die Entscheidung für eine Lauf-App lag nahe, da ich mein Smartphone als Musikplayer ohnehin seit geraumer Zeit mit zum Training nehme. Nun kann ich sehr genau meine Leistung beobachten und vor allem überprüfen, ob ich mit meinen Trainingsfortschritten im Plan liege“, sagt Malte. Während des Trainings liefert ihm die App zum Beispiel die Information, welche Zielzeit er mit der aktuellen Geschwindigkeit bei einem Halbmarathon erreichen würde. Dank der GPS-Funktion des Smartphones kann Malte nach dem Training zudem genau die gelaufene Strecke nachverfolgen und sehen, welchen Kilometer er in welcher Durchschnittsgeschwindigkeit gelaufen ist. Der 28-Jährige erklärt: „Ich wollte auf jeden Fall den Fehler vermeiden, in meinem ersten Wettkampf zu schnell zu starten und gegen Ende in der Leistung einzubrechen. Mithilfe der App kann ich beim Training überprüfen, wo auf der Strecke es mir im Training schwerfällt, die nötige Durchschnittgeschwindigkeit zu halten“. Außerdem fungiert die Anwendung als Pulsuhr, die mit einem Brustgurt gekoppelt ist. So liefert das Smartphone hilfreiche Informationen über den Pulsbereich, in dem sich der Läufer befindet.

Der Markt für Sport-Apps hat viel zu bieten

Smartphones und Sport zu verbinden, liegt zweifellos im Trend. Dass man immer öfter auch Business-Männer und -Frauen dabei beobachten kann, während eines kurzen „Workout-Joggings“ in der Mittagspause Geschäftstelefonate zu führen, schießt ebenso zweifellos über das Ziel der neugewonnenen technologischen Mobilität hinaus. Mithilfe mobiler Endgeräte die eigene sportliche Aktivität zu messen, den Kalorienverbrauch zu ermitteln und sich Trainingsziele zu setzen, ist hingegen dank Fitness-Apps nicht mehr nur etwas für Profis, sondern auch bei Gelegenheitssportlern heute ein beliebtes Mittel zur Steigerung der Motivation und Beobachtung des persönlichen Fortschritts.

Die Auswahl an passenden mobilen Anwendungen ist dementsprechend groß, sowohl für Ausdauer- als auch Kraftsportarten. Marktführer unter den Running-Apps ist derzeit beispielsweise die Anwendung Runtastic, aber auch Endomondo und die App Nike+ running sind beliebte Trainingsbegleiter. Schon die Gratisversionen ermitteln die Trainingszeit, die verbrauchten Kalorien, mithilfe von GPS die zurückgelegte Distanz sowie die aktuelle Geschwindigkeit und Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Vollversion Runtastic Pro bietet zusätzlich z.B. noch ein Voice-Coaching, welches die Einhaltung des Tempos kontrolliert und Zwischenzeiten ansagt. Außerdem ermöglicht sie das Messen der Herzfrequenz (mit einem benötigten Pulsgurt) und sie bietet Zugang zu vorgefertigten oder auch selbst erstellten Trainingsplänen, um Trainingsziele zu setzen. Den Puls im Auge zu behalten, ist vor allem bei gezieltem und leistungsorientiertem Training empfehlenswert.

Neben den praktischen Funktionen der Apps spielt auch ihre soziale Komponente eine Rolle. Um die Sportler zu motivieren, ermöglichen viele Apps die Durchführung von Wettkämpfen gegen andere Nutzer und die Veröffentlichung der Trainingsergebnisse auf Facebook. Dies kann vor allem Hobby-Sportler anspornen, sich aufzuraffen. Für ambitioniertere Läufer bietet sich auch die adidas-App miCoach an. Hier erwartet einen zuerst ein Beurteilungstraining, anhand dessen die eigene Fitness geprüft wird. Die Verbindung zu sozialen Medien fehlt hier, dafür sind die App und das Erstellen von Trainingsplänen kostenlos.

Fitness-Apps beflügeln die Nachfrage nach Zubehör

Was Malte zu Beginn seiner Vorbereitung auf den Halbmarathon am meisten stört, ist die unhandliche Bedienung seines Smartphone, welches er zur Kontrolle seiner Leistung ständig aus der Hosen- oder Jackentasche holen muss. Wer enganliegende Laufkleidung trägt, hat hierfür ohnehin keinen Platz. Das Gerät mit verschwitzten Händen zu bedienen, ist zudem schwierig. Mit der Installation der App wird für Malte also auch entsprechendes Zubehör interessant. Er besorgt sich ein Sport-Armband für sein Smartphone und spezielle Kopfhörer, die mit einem Bügel hinter dem Ohr befestigt werden und deshalb nicht herabfallen können. Das Gerät ist nun sicher verpackt am Arm zu tragen und kann durch eine Schutzhülle komfortabel bedient werden. Darüber hinaus bietet das Armband ein praktisches Steckfach für den Hausschlüssel, mit dem Malte zuvor nie so recht wusste, wohin. Über die Kopfhörer informiert ihn das Mobiltelefon in einer gewünschten Frequenz über ausgewählte Messwerte.

Sowohl das Angebot an Apps als auch die Nachfrage nach Sport-Accessoires steigen deutlich, da die Kunden sich immer individuellere und speziell auf ihre Sportart abgestimmte Produkte wünschen“, sagt Gudmundur Palmason, Managing Director der STRAX GmbH. Das Distributionsunternehmen für Mobilfunkzubehör mit Hauptsitz im rheinischen Troisdorf hat eine Reihe von Markenprodukten im Sortiment, die sich dem sportlichen Einsatz des Smartphones widmen. Als Spezialist für Zubehörlösungen hat STRAX die jüngsten Marktentwicklungen im Blick. „Früher haben noch die einfachen Ohrstöpsel beim Joggen gereicht, jetzt sind fest sitzende Headsets gefragt, teilweise auch schnurlose Bluetooth-Headsets.“ Sie sorgen für einen festen Sitz und haben keine störenden Kabel. Von großen Over-/On-Ear-Kopfhörern bis zu kleinen In-Ear-Sportmodellen reicht die Auswahl auf dem Zubehör-Markt.

Nach ca. drei Wochen der gezielten Vorbereitung auf den Halbmarathon erleidet Malte einen Rückschlag: Die zu schnell gesteigerte Intensität seines Trainings sorgt für eine Reizung der Patellasehne. Das sogenannte „Läuferknie“ ist der klassische Anfängerfehler und es zeigt, dass auch die beste mobile Technik nicht vollständig in den Körper des Läufers hineinhorchen kann. Malte muss zwei Wochen mit dem Laufen aussetzen. Um konditionell nicht zu sehr abzubauen, steigt er in dieser Zeit regelmäßig auf das Rennrad. Ausflüge in die nahegelegene Nordeifel bieten genau die richtigen Bedingungen für das Radtraining: Viel Natur und sowohl flache Strecken als auch leichte Anstiege. Seine Leistung will er auch hier mithilfe einer Smartphone-App und entsprechendem Zubehör weiterhin überprüfen. „So kann ich mein Training trotz Laufpause zielgerichtet fortführen, indem ich die Pulsfrequenz und den Kalorienverbrauch auch beim Radfahren im Blick habe.“ Mit speziellen Apps für den Radsport haben Anbieter wie etwa Runtastic ihr Angebot heute bereits erweitert. Die Anwendungen haben dabei mittlerweile den Funktionsumfang eines professionellen Fahrradcomputers. Auch bei gemütlichen Radtouren sind Smartphones deshalb heute mit dabei, denn statt ständig anzuhalten und eine umständliche Faltkarte auszupacken, lassen sich viele lieber mithilfe ihres mobilen Endgerätes navigieren. Hier helfen Apps bei der Routenplanung.

Um das Smartphone beim Radfahren praktisch transportieren zu können, gibt es natürlich entsprechendes Zubehör. Mit Fahrradhalterungen am Lenker ist das Gerät immer gut zu sehen und trotzdem durch eine Hülle vor Nieselregen geschützt. Ob also beim Laufen oder beim Radfahren, das Smartphone ist ein Allroundtalent und wird kaum mehr bewusst zu Hause gelassen. Davon profitiert nicht zuletzt die Zubehör-Branche: „Gutes Sport- und Outdoor-Zubehör passt sich an die Bedürfnisse der Nutzer an. Ob das Smartphone nur als Musikplayer oder als präzises Messgerät der Trainingsleistung genutzt wird, eine sichere Platzierung am Körper oder Fahrrad muss immer mit einer guten Bedienbarkeit einhergehen“, sagt Gudmundur Palmason. „Neben der unmittelbaren Funktion als Sparringspartner beim Training gewinnt Outdoor-Mobilfunkzubehör auch für die Freizeitplanung an Bedeutung. Ob beim Picknick im Park oder bei der Fahrradtour ins Grüne, nützliche Accessoires wie Bluetooth-Speaker sind längst allgegenwertig.“ Beim Pausieren auf der Wiese wird der Fitnesscoach also schnell zur Soundanlage.

Den Personal Trainer auch mal ausschalten

Malte läuft den Halbmarathon in 1:40 h und erreicht damit sein Ziel. Er ist erleichtert: „Das Training war anstrengend und ich als Hobbysportler brauchte sehr viel Disziplin, regelmäßig auf einem gewissen Niveau zu trainieren.“ In den nächsten Wochen wird Malte weiterhin durch die Bonner Rheinauen laufen, vor allem als Ausgleich zum Bürojob. Sein Smartphone lässt er in dieser Phase jedoch immer öfter zu Hause. So praktisch das Gerät als Sportassistent auch ist, um die Natur zu genießen, den eigenen Körper zu spüren und den Alltag hinter sich zu lassen, braucht er keinen Personal Trainer am Arm. In einem halben Jahr wird er dann wieder das Training mit technischer Unterstützung für den nächsten Halbmarathon beginnen. Zielzeit: 1:35 h. (Carolin Arnold)

 

 

 

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *