Dr. Ziegler rät: Laufen bei Plantarfazities mit reaktivem Knochenödem im Fersenbein

03.04.2016 | Von val
Dr. Ziegler rät: Laufen bei Plantarfazities mit reaktivem Knochenödem im Fersenbein
Gesundheit
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LAUFZEIT&CONDITION-Leser Bertram W. fragt: Hallo Herr Dr. Ziegler, ich bin 38 Jahre alt und leistungsorientierter Läufer. Seit über einem halben Jahr plagt mich eine Sehnen-Band-Ansatzentzündung unter dem linken Fuß im Fersenbereich. Gemäß Kernspin-Befund (MRT) vom September 2013 handelt es sich bei mir um eine ausgeprägte Reizung der Plantarfaszie (sogenannte Ansatz-Tendinitis). Zusätzlich findet sich auch eine entzündliche Mitreaktion auch im linken Fersenbein sowie im  umgebenden Weichteilbereich. In der Vergangenheit erhielt ich bereits mehrere lokale Kortison-Injektionen, die allenfalls nur kurzfristig geholfen haben. Haben Sie für mich jetzt einen Rat parat? Natürlich brennt mir die Zeit unter den Nägeln und ich vermisse auch meinen regelmäßigen Sport sehr. Vielen Dank vorab.

 

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet: Vorausgeschickt sei zunächst der wichtige Hinweis meinerseits, wonach sich alle meine online-Vorschläge generell nur als allgemeine Empfehlungen verstehen, die Sie dann entsprechend und im Detail mit Ihrem behandelnden Arzt/Orthopäden durchsprechen sollten. Soviel vorneweg und jetzt aber gleich zur gewünschten Empfehlungsliste:

  • Bei der Ihrerseits erwähnten Plantarfaszie handelt es sich anatomisch um eine derbe Sehnenplatte (Aponeurosis plantaris), die sich unterhalb des Hautfettgewebes erstreckt und aus drei Zügeln besteht. Ich sehe daher entsprechend in einer lokalen Injektion vor Ort ein Problem sowohl hinsichtlich der Wirksamkeit wie auch bzgl. der Infektionsgefahr.
  • Gemäß dem vorliegenden MRT-Befund ist bei Ihnen in erster Linie der innere Zügel der Plantaraponeurose am Fersenbeinansatz betroffen. Ursächlich und auslösend könnte hier bei Läufern & Läuferinnen die individuelle Fußstatik eine wichtige Rolle spielen, also z.B. bei einem extremen Hohlfuß oder einem extremen Plattfuß. Auch längeres Vorfußlaufen könnte bei entsprechender Bodenbeschaffenheit die geschilderte Symptomatik auslösen, wobei Sie sich hierzu nicht näher geäußert hatten, auch nicht, ob Sie bereits Einlagen im Alltag oder beim Sport tragen. Was kann ich Ihnen jetzt im einzelnen raten und empfehlen:
  1. Zur Entlastung Ihres lädierten Fersenbeins sollten Sie sich für Ihre Alltagsschuhe sogenannte Pufferabsätze verschreiben lassen, die eine ganz normale Kassenleistung sind, Sie laufen dann „wie auf Moos“ oder aber Sie können es sich leisten, auch im Alltagsbereich regelmäßig mit Laufschuhen unterwegs zu sein.
  2. Wenn noch nicht geschehen bitte auch die Notwendigkeit einer Einlagenversorgung für Alltag und Sport abklären lassen.
  3. Kümmern Sie sich auch um eine kompetente physiotherapeutische Adresse, wo Sie sich bitte Ihre Zehengrundgelenke mobilisieren lassen, da bei evtl. vorhandenen rigiden Zehengrundgelenken der erhöhte Zug auf das Fersenbein Ihre Symptomatik verstärken könnte.
  4. Zusätzlich sollten Sie für einige Wochen Ihre oberflächliche Waden- wie auch die tiefer liegenden langen Fußmuskeln im Wadenbereich (Zehenbeuger) Tonus-vermindernd mittels Kinesio-Tape
  5. Sportlich könnten Sie es mit regelmäßigem Aqua-Jogging versuchen, um konditionell und sportartspezifisch einiger Maßen bei der Stange zu bleiben.
  6. An medikamentösen Maßnahmen sind aus meiner Sicht sinnvoll und angezeigt:
  • Für zunächst ca. 6 Wochen hochdosiert Enzyme tägl. 3 x 1 Tbl., jeweils vor dem Essen. Das Präparat enthält zusätzlich drei B-Vitamine, die wichtige regenerative Aufgaben erfüllen. So hat Thiamin (Vit. B1) eine wichtige Aufgabe bei der Kollagen-Bildung, die wiederum die Voraussetzung darstellt für eine bedarfsgerechte Bildung von Sehnen, Knorpel und Knochen.
  • Ebenfalls für 6 Wochen hochdosierte Zufuhr von Magnesium. Ich empfehle hier die Einnahme von 1-2 Kps. mit reichlich Flüssigkeit und am besten abends.
  • Wegen Ihrer entzündlichen Mitreaktion im Fersenbein sollten Sie für mindestens 10-12 Wochen auch eine Kombinationstherapie aus Kalzium, Vitamin D und Vitamin K beginnen, um hier heilungsfördernd auf den gestörten Knochenstoffwechsel einzuwirken, empfohlene Dosierung: 3 x 1 Kps. pro Tag. Bitte denken Sie in diesem Zusammenhang auch daran, Ihren Vitamin D-Blutspiegel (25-OH-Vitamin D) bestimmen zu lassen. Ein chronisch erniedrigter Vitamin D-Spiegel senkt die Schmerzschwelle, beeinträchtigt die Regeneration und stört die neuromuskuläre Koordination, was Überlastungsschäden im Halte- und Bewegungsapparat begünstigt. Gegebenenfalls müssten Sie Ihren Vitamin D-Haushalt gezielt und hochdosiert auf Vordermann bringen, speziell von Oktober bis April ist die Versorgungslage erschreckend schlecht, auch bei Outdoor-Sportlern.
  1. Ernährungstechnisch sollten Sie unbedingt und zumindest für zunächst einmal 8 Wochen sämtliche tierischen Produkte aus Mastbetrieben, Legebatterien und Fisch-Zuchtfarmen meiden, um sich nicht auf diesem Wege eine überschießende Entzündungsdisposition („silent inflammation“) anzuessen, die Ihren Heilungsverlauf entsprechend behindern und verlängern würde. Näheres hierzu finden Sie in meinem Ernährungsbüchlein „Power ist essbar“.
  2. Bitte diskutieren Sie mit Ihrem behandelnden Arzt auch mögliche positive Effekte beim Einsatz einer sogenannten Röntgen-Reizstrahlung, deren positive Effekte bei der Behandlung eines vom Fersenbein nach unten gerichteten Fersensporn ja gut dokumentiert sind, wobei bei Ihnen gemäß Angabe ein Fersensporn ja röntgenologisch ausgeschlossen wurde. Ganz aktuell bekam ich den Hinweis auf eine äußerst erfolgreiche Therapie mittels Strahlentherapie und zwar konkret mit dem sogenannten REPULS Tiefenstrahler. Auch hierzu können Sie ja Ihre Erkundigungen vornehmen.

 

Ja, dann von dieser Stelle zunächst einmal hoffentlich baldige Besserung und gern können Sie mich über den weiteren Verlauf auf dem Laufenden halten.

Sportlicher Gruß

Ihr Dr. Ziegler

 

Foto: ThinkstockPhotos-478162622

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