SPINE RACE: Vernunft siegt vor Ehrgeiz

30.01.2017 | Von val
SPINE RACE: Vernunft siegt vor Ehrgeiz
Ultraläufe
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Ihr Ziel war es beim diesjährigen Spine Race, dem härtesten Ultra-Marathons Großbritanniens, nach 431 km die Ziellinie zu überqueren. Am Ende siegte bei Michael Groth und Manfred Siebert-Diering die Vernunft über den sportlichen Ehrgeiz. Nach 172 km beendeten die beiden Oldenburger ihr bisher größtes sportliches Abenteuer am zweiten Kontrollpunkt in Hawes in der Grafschaft Yorkshire. Schlafmangel, durchdringende Feuchtigkeit und Schmerzen an der Achillessehne (Siebert-Diering) bzw. in der Kniekehle (Groth) ließen die beiden Extremsportler auf dem Weg zum zweiten Kontrollpunkt stark daran zweifeln ihr Ziel ohne gesundheitliche Schäden zu erreichen. „Wir haben den zweiten Kontrollpunkt zwar noch im hellen erreicht, wären aber anschließend in unsere dritte Nacht ohne Schlaf aufgebrochen. In den Nächten zuvor haben wir einmal anderthalb Stunden am ersten Kontrollpunkt und einmal in einem Biwak auf freier Strecke geschlafen. Hätten wir noch mehrere Stunden Tageslicht vor uns gehabt wären wir eventuell noch mal aufgebrochen, aber so haben wir uns dagegen entschieden zumal es direkt wieder bergauf gegangen wäre und wir noch 56 km durch die Nacht vor uns gehabt hätten. Unsere Läufe durch die Sahara und über die Alpen waren dagegen richtig komfortabel“, berichtete Groth nach dem Aus.

Vom Start weg hatten die Teilnehmer mit Regen und Wind zu kämpfen. Zwar lies der Regen ab dem zweiten Tag nach, aber da war die Feuchtigkeit schon durch und durch gegangen. „Man ist auch bei den Pausen nie wieder richtig trocken geworden“, erzählt der 44-Jährige. Zwar hatten die Teilnehmer bei durchschnittlich 7 ° C nicht mit Frost zu kämpfen, aber die Temperaturen sorgten dafür das der Schnee am schmelzen war und sie sich größten Teils durch Matsch und Schneematsch fortbewegen mussten. Das Schmelzwasser sorgte außerdem dafür, dass zuvor kleine Bäche zu reißenden, hüfthohen Flüssen wurden. Mehrfach musste man ca. zehn Meter durch das eiskalte Wasser waten, wobei der andere Läufer ausrutschte und von den Fluten einige Meter mitgerissen wurde. Dies blieb den beiden Oldenburgern zum Glück erspart. Auch machte sich bei ihnen bei weniger breiten Wasserläufen ihr spezielles Sprungtraining im Bürgerbusch bezahlt. „Wenn es nur in etwa anderthalb Meter waren konnten wir dank unseres Sprungtrainings auf der Finnenbahn im Bürgerbusch springen. Da es aber teilweise steile Böschungen waren musste man bei den Landungen darauf achten nicht ins Hohlkreuz zu geraten sonst hätte einen der Rucksack ins Wasser gezogen“, waren die beiden froh über ihre spezielle Vorbereitung in diesem Fall. Bei den Flussquerungen halfen dann auch keine Neoprenschuhe und Gamaschen. Die Füße waren durchgehend nass.

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Legten nur kurze Pause beim Spine Race ein: Michael Groth und Manfred Siebert-Diering

Teilweise führte die Strecke auch durch Moorgebiete. Hier waren zwar Planken ausgelegt, aber die waren zum Teil defekt oder nur schlecht zu sehen, so dass manch einer bis zur Hüfte im Morast versank. Ansonsten ging es größten Teils durch hügeliges, unbewaldetes Gelände. „Man kann sich das ungefähr wie den Utkiek in Oldenburg vorstellen, nur einige hundert Meter höher. Da gab es keinen Schutz gegen den Wind und der pfiff ordentlich. Die Wege waren kaum zu sehen und immer mal musste man über Mauern klettern. Dann stand man auf einmal mitten auf einer Kuhweide. Zum Glück waren die Kühe recht friedliche Zeitgenossen. Wer weiß was die sich gedacht haben “, beschreibt Groth mit einem Grinsen im Gesicht die Landschaft in der sie unterwegs waren. „Irgendwann war das dann auch ziemlich stupide weil alles gleich aussah“. Trotzdem kann er sich es gut vorstellen im nächsten Jahr noch einmal einen Versuch zu starten. „Es kommen in jedem Jahr weniger als 40 % der Starter ins Ziel. Da wäre es vermessen zu glauben es gleich beim ersten Start zu schaffen. Viele von denen die aufgegeben haben waren hier schon mehrfach dabei. Ich bin noch nicht fertig mit dem Spine Race“, schaut der Oldenburger bereits wieder nach vorne. Bevor es aber so weit ist steht für ihn erst einmal das Goldsteig Ultrarace im September auf dem Plan. Der Goldsteig – 661 km und 19.000 hm. Das ist Deutschlands längster Wanderweg mit Start in Marktredwitz und Ziel in Neunburg vor dem Wald. (Bernd Teuber)

Foto: privat: Arktische Bedingungen machten den Teilnehmern das Leben beim Spine Race in Großbritannien schwer

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