14. Friesencross: Teilnehmerrekord in Schillig

27.07.2017 | Von val
14. Friesencross: Teilnehmerrekord in Schillig
Cross & Trail
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Seit es den Wattlauf von der Insel Neuwerk nach Cuxhaven nicht mehr gibt, der bis 2014 jahrelang im Rahmen des EWE-Nordsee-Etappenlaufs durchgeführt wurde, hat der „Friesencross“ in Schillig so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der deutschen Laufszene inne. Denn er bietet den einzigen Lauf an, der zumindest partiell durchs Wattenmeer führt, der Weltnaturerbelandschaft an Deutschlands und Dänemarks Nordseeküste. Seit 2004 schon findet der Friesencross alljährlich im Juli innerhalb des Friesenfestivals statt, einer dreitägigen Strandparty, zu der besonders viele Urlauber mit ihren Wohnwagen und Zelten anreisen, verfügt doch Schillig, ein Ortsteil der Gemeinde Hohenkirchen, gelegen am äußersten Nordwestzipfel des Jadebusens, über einen der größten Campingplätze Europas. In diesem Jahr fand die Laufveranstaltung zu einem ganz besonderen Jubiläum statt, dem hundertfünfzigsten Geburtstag des ausrichtenden Vereins MTV Hohenkirchen. Besonders erfreulich für die umtriebigen Organisatoren war, dass mit 950 Anmeldungen und 834 Läufern im Ziel ein neuer Teilnehmerrekord erreicht wurde, über einhundert Finisher mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015.

Dabei hatten die Wetterprognosen gar nicht so günstig ausgesehen, denn Regen war angesagt und vielleicht sogar Gewitter. Blitz und Donner blieben zwar aus, aber das Nase von oben kam, jedoch nur am Morgen. Zum Veranstaltungsbeginn kam die Sonne hervor und hatte sich die Luft auf 20 ° C aufgeheizt, was besonders für die vielen Zuschauer angenehm, für die Läufer aber fast schon zu warm war, da kaum ein Lüftchen wehte. Zu blöd wäre es auch gewesen, wenn der Lauf erstmals in der Geschichte wegen des prognostizierten Unwetters hätte abgesagt werden müssen.

Im Programm führt der Friesencross einen Bambinilauf (400 m), einen Schülerlauf (1.000 m) sowie einen Jedermannlauf über 5 km, der auch für Walker offen ist, und den Hauptlauf über 10 km. Letzterer ist freilich das Highlight der Veranstaltung, weil seine Strecke als einzige teilweise auch ins glitschig-feuchte Watt und über sandige Passagen führt. Entsprechend lautet das Motto für die Hauptläufer: „Macht euch dreckig, saut euch ein“, wie es Moderator Marc Pickel von der Agentur Iventos treffend auf den Punkt brachte.

Das Führungstrio über 5 km nach der Hälfte der Strecke v.l.: Sieger Simon Jaschke, Christoph Jahnert (3.) und Bastian Rohde (2.)

Das Führungstrio über 5 km nach der Hälfte der Strecke v.l.: Sieger Simon Jaschke, Christoph Jahnert (3.) und Bastian Rohde (2.)

Viele Friesencrosser sind Wiederholungstäter und legen ihren Urlaub eigens so, dass sie am Lauf teilnehmen können. Auch Sabrina Timmes war schon mehrmals dabei, da sie aber aus dem nahegelegenen Varel stammt, kann sie bequem von zu Hause aus anreisen. Timmes hatte den Hauptlauf bereits in den beiden Vorjahren für sich entscheiden können und trat nun an, um das Triple voll zu machen. Das gelang ihr auf der anspruchsvollen Strecke auch eindrucksvoll in 46:36 min mit mehr als fünf Minuten Vorsprung vor Monika Janßen (51:49 min) aus Aurich und Natalie Andrees (52:22 min) aus Upjever. Bei den Männern entwickelte sich auf der ersten Hälfte ein spannender Dreikampf, der sich erst auf den letzten Kilometern für Patrick Schnetger vom LT TuS Petersfehn günstig entwickelte. Er konnte sich zwar spät, aber dann doch deutlich von seinen beiden Widersachern lösen und in 39:22 min finishen. Stefan de Jonge vom TuS Wehne wurde in 40:55 min knapp zweiter vor Bastian Rohde aus Nordenham in 42:01. Im Gegensatz zu Timmes war der Männersieger in Schillig Debütant und zeigte sich zufrieden: „Die Laufstrecke war optimal“, gab er zu Protokoll. „Nur etwa 200 m im Watt waren etwas rutschig, sonst konnte ich so richtig durchdrücken. Es ist schon etwas Besonderes, hier durch die Dünen und im Watt zu laufen. Man muss sich die Kräfte gut einteilen. Im nächsten Jahr werde ich auf jeden Fall wieder dabei sein.“

Bei den Jedermannläufern, die nicht durchs Watt, aber über Sand geschickt werden, hatten zwei Gäste aus dem fernen Nordrhein-Westfalen die Nase vorn: Simon Jaschke von der LG Dorsten und Victoria Voß von der LG Gummersbach. Die siebzehnjährige Voß verwies in 22:41 min die ostfriesische Altersklassenläuferin Bettina Pilney vom LT SV Ems Jemgum (23:14 min) und Rebekka Rückes vom TuS Deuz (23:28 min) auf die Plätze. Jaschke, noch ein Jahr jünger als Voß, brauchte für die nicht offiziell vermessene Strecke 18:50 min, womit er sich erfolgreich gegen Bastian Rohde (19:08 min) und Vereinskamerad Christoph Jahnert (19:12 min) durchsetzte. Rohde erreichte damit nach seinem dritten Rang im Hauptlauf einen weiteren Podestplatz.

Sieger über 10 km: Patrick Schnetger

Sieger über 10 km: Patrick Schnetger

Auch für Rebekka Rückes war es die zweite Medaille des Tages, denn sie hatte zuvor schon den Schülerinnenlauf über ein Kilometer in 3:28 gewonnen, womit sie flotter als der schnellste Junge (Tim Maximilian Eschner, SuS Olten, 3:35 min) war. Beim freien Walken hatten Angela Früsmer (MTV Jever, 33:58 min) und beim Walken mit Stöcken Robert Stöcker (TuS Wiehl, 36:26 min) die Nase vorn.

Im nächsten Jahr hofft der Veranstalter MTV Hohenkirchen darauf, vielleicht erstmals die Marke von 1.000 Anmeldungen zu knacken. Die Organisation lief wie am Schnürchen. (Michael Schardt)

Fotos: Detlev May

Titel: Start zum 5 km-Lauf in Schillig in Friesland

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