Kolumne Menz: Neues Jahr – Neues Glück – Neue Ziele

31.12.2017 | Von val
Kolumne Menz: Neues Jahr – Neues Glück – Neue Ziele
Allgemein
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Neues Jahr – neues Glück – neue Ziele. Wie haltet Ihr es mit der Suche nach den Zielen des neuen Jahres. Es wird von Jahr zu Jahr nicht einfacher. Es gibt mehr Angebot und zerteilen kann man sich auch nicht. Die Krux an der Veranstaltungsvielfalt ist doch, dass man wie ein kleines Kind an der Kasse steht und die Süßigkeiten sieht, alles haben möchte und zwar sofort. So haben dann auch die Veranstalter der Laufszene jedes Jahr das gleiche Problem. Kommt eine neue Veranstaltung in den Eventkalender und in die gleiche Region, die sogar zeitnah stattfindet, schwillt denen der Kamm da hier das sportliche Laufpublikum sich verteilt. Leittragende sind dann hier die Traditionsveranstaltungen die in althergebrachter Form Ihren Wettkampf anbieten und dabei vergessen das der „Laufkunde“ von heute (früher auch mal Teilnehmer genannt) gerade die Vielfalt mag. Heißt, wenn du dreimal bei einem Lauf warst, ist es doch der Reiz des neuen der dich an einen anderen Ort treibt. Dabei rede ich sogar nur innerhalb der Laufveranstalter Szene. Multisport Events oder andere sportliche Herausforderungen (siehe Kolumne 11/2017) sind da noch nicht mal einkalkuliert, denn die kommen auch noch mal hinzu. Es ergibt sich ein Überangebot an Sportlichen Spielplätzen und so ist es spannend den Jahreskalender 2018 zu blättern und immer wieder sich die gleiche Frage zu stellen – wo laufe ich und was sind meine Highlights, denn die gilt es vorzubereiten.

Eine Top-Form zu haben die sich über das gesamte Laufjahr hält, das wissen wir alle, ist nahezu unmöglich und so ist ein guter Aufbau von Nöten, wenn man nicht alles nur als Lauftourist erleben möchte. Der Silvesterlaufsieger mit Bestleistung ist dann meist nicht der Sieger des Sommers, da er bereits schon so viel ins Training investiert hat, dass man sich fragen muss welche Steigerungsformen in der Vorbereitung da noch kommen sollen damit es ein schneller Frühjahrsmarathon wird.

So träumen dann auch die meisten von uns von besseren und wärmeren Zeiten in „kurz-kurz“. Sommer, City-Highlights – Europameisterschaften zuhause. Ja, ich weiß, das ist dem DLV Kader vorbehalten. Aber auch dieser träumt und das schon lange. Dass die Leichtathletik- Europameisterschaften nach Berlin kommen steht schon länger fest. So gingen dann auch die Planungen von der deutschen Leistungsreserve nach Olympia auch mehr in Richtung Heim-EM. Vorteil, die Qualifikations-Normen sind etwas angepasster als die utopisch angesetzten Normen bei Olympia oder WM und gerade für Marathonis wartet ja auch noch der Europacup. Da man als Ausrichter der EM hier auch das Ziel hat eine Mannschaft zu stellen, positionierten sich die Langstrecken Cracks (Männer wie Frauen) bereits schon im Herbst um eine erste Visitenkarte abzuliefern. Und so gab es dann auch das eine oder andere vielversprechende Marathon Debüt wo die EM-Norm unterboten wurde. Es wird also auch hier ein spannendes Frühjahr bei der Selektion des Teams.

Im Team – im Kader zu sein ist somit das Ziel der Top-Leute die in Richtung EM schielen. Was dann zum Ende des Jahres kam ist wie beim Nikolaus entweder die süße Tüte oder die Rute. Dabei oder nicht (mehr) dabei. Förderung oder Selbstzahler. Ganz ehrlich, wir haben glaube ich die Diskussionen um die Leistungssportreform satt und wenn wir ehrlich sind, verstanden hat sie auch kaum jemand. Und so sind unter den Opfern auch „prominente“ Namen zu finden.  Zu diesen gehören unter anderem auch Philipp Pflieger und Sabrina Mockenhaupt. Die Entscheidung fällt nunmehr ein neues Konzept welches computerunterstützt das Potential des Kandidaten auf eine Top Platzierung errechnen soll. Algorhytmische leistungssportliche Berechnung eines Menschen, der ein Ziel vor Augen hat mit der Besonderheit vielleicht noch einmal vor dem Ende der sportlichen Karriere vor dem heimischen Publikum zu glänzen. Mehr Entscheidungsgewalt durch den DOSB und dem BMI (Bundesministerium für Inneres), weniger für die Dachverbände der Sportarten. Am Ende geht es nicht nur um das wenige Geld an Förderung für den Athleten, sondern mehr um fehlende Wertschätzung durch die Institutionen und so durften die beiden sich zumindest „glücklich“ schätzen das sie von ihrem „Rauswurf“ informiert wurden. Andere hatten dieses „Glück“ leider nicht.   Die Erklärungen sind so schwammig wie schwer nachvollziehbar und so hat man manchmal das Gefühl das hier eine Verjüngung des DLV Kaders angestrebt ist, was man auch grundsätzlich begrüßen kann im Hinblick auf die nächsten Olympischen Spiele. Dennoch fehlen einige Leistungskandidaten da sie nicht Ihre beste Saison gehabt haben. Wer nicht durch Sponsoren gesegnet ist, wird es von nun an schwer haben seine gewohnte Vorbereitung mit Trainingslagern so zu absolvieren das ein EM-Quali-Angriff machbar erscheint. 5.000 m-Mann Marcel Fehr beziffert den Ausfall der Förderung auf ca. 14.000 Euro.  So ist viel Phantasie gefragt um dieses zu kompensieren. Was hier folgen sollte, wäre eine Trotzreaktion des Athleten alles sportlich Machbare umzusetzen, auch ohne Kader, um die Norm zu laufen. Dann hat der DLV ein Argumentationsproblem den Sportler nicht mitzunehmen. Es macht sich eine „jetzt erst recht“ Stimmung breit.

Vor den Europameisterschaften sind wieder die Deutschen Meister zu suchen. Hier finden sich ebenfalls einige Interessante, teilweise neue Austragungsorte in der Liste der planenden Läufer wieder. Düsseldorf erhält nach 57 Jahren wieder den Zuschlag für die Deutschen Marathon Meisterschaften. 1961 war es der Bochumer Jürgen Wedeking (SC Dahlhausen) der in 2:28 Stunden Meister wurde. Die Frauen kamen erst 14 Jahre hinzu. Wieder also eine Meisterschaft in einem großen Citymarathon.

Ob die Meister auch wieder die schnellsten und leistungsstärksten sein werden, wird sich zeigen gibt es doch gerade im Monat April so manche andere verführerische Strecke über die Königsdistanz die schnellen Zeiten verspricht und der Meistertitel hat hier im laufe der Jahre durch Verlegung der Veranstaltung auf die Dörfer an Glanz verloren. Wieder am gleichen Ort bleiben dagegen die Halbmarathon Meisterschaften. Hannover hat sich bewährt und spendierte den Top-Leuten sogar eine Live Übertragung im NDR, die eine schöne Präsentationsplattform war. Bitte wieder, lieber NDR, die Laufgemeinde wird es euch wieder danken.

Bremen darf sich freuen die besten Straßenläufer über 10-km zu suchen und die Bergläufer suchen nunmehr nicht mehr in den Alpen nach Ihren besten, sondern im Harz. Ilsenburg, das kleine Örtchen am Fuße des Brockens wird diese Aufgabe tadellos bewältigen können, dessen bin ich mir sicher findet doch dort mit dem Brockenlauf am ersten Septemberwochenende immer eine Traditionsveranstaltung statt, welches den Ort in Ausnahmezustand versetzt. Zum Brocken hoch sind es von dort gute 12 km mit 890 Höhenmetern. Keine Alpen, aber selektiv genug für Meisterehren.

Ferner schaue ich aber auch International in die Welt um die Entwicklungen zu verfolgen die mich so manches mal den Kopf schütteln lassen. Sondre Norstadt Moen aus Norwegen, in 8 Monaten von 2:10:07 h in Hannover auf 2:05:48 h im japanischen Fukuoka, neuer Europarekord. Ich bin es leid jeder schnellen zeit Doping zu unterstellen solange es keine beweise gibt, aber seine Leistungsexplosion gibt Rätsel auf. Ist es sein neuer Coach Renato Canova der es auch geschafft Ihn auf eine sub 60 min. Zeit über die Halbmarathon Distanz vorzubereiten? Egal. Wenn ich die wenigen Übertragungen im TV anschaue, freue ich mich über spannende Zweikämpfe bis zum Schluss, die Zeit die am Ende dabei heraus kommt ist nebensächlich für mich. Weltrekord, okay. Weiter zur Tagesordnung. Wir, die Gesellschaft sind es doch die diese Zeit hypen und wenn es der Gesellschaft gefällt und sich damit Geld verdienen lässt das liefern einige Athleten auch.

Also, machen wir allem nicht immer direkt solch einen hype. Lasst eure Handys doch mal in der Gürteltasche beim Laufen, statt sie ständig auf den Boden zu legen oder mit Ästen zu fixieren für Selfies die man noch auf den letzten Laufmetern postet. Lauft doch mal wieder des Laufens wegen. Ihr habt euch diese Auszeit vom Alltag verdient. Wäre das nicht mal ein guter Vorsatz für 2018?

In diesem Sinne „Glück auf“! Auf das neue Sportjahr.

Foto: Adobe Stock

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