Frischer Wind auf dem Weg zur Weltspitze: Sebastian Weiß neuer Bundestrainer

18.03.2018 | Von val
Frischer Wind auf dem Weg zur Weltspitze: Sebastian Weiß neuer Bundestrainer
Allgemein
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Neuer Bundestrainer für die Mittel-und Langstrecke der Frauen berufen.

Beim DLV gab es jetzt einen Generationswechsel in der Verantwortung im Trainerstab. Mit dem 31-jährige Sebastian Weiß von der LG Bayer Leverkusen übernimmt ein junger Coach das Zepter von dem langjährigen erfolgreichen Bundestrainer Hennig von Papen. Sebastian Weiß hat sich in der jüngeren Vergangenheit einen guten Ruf als Coach der Mittel- und Langstreckenhoffnung Konstanze Klosterhalfen erworben. Jörg Valentin führte für LAUFZEIT&CONDITION mit dem neuen Kapitän an Bord der DLV-Trainergilde in einem Interview…

 

Sebastian, der DLV hat Dich als Nachfolger des langjährigen  Bundestrainers Hennig von Papen zum neuen verantwortlichen Trainer Mittel-/Langstrecke Frauen ernannt. So ganz überraschend kam die Berufung sicher nicht, da Du schon länger als Kandidat für das Amt gehandelt wurdest?

Überraschend war dies in der Tat nicht, da ich das gesamte Jahr 2017 auch schon als DLV-Bundestrainer U23 Mittelstrecke weiblich eingesetzt war und gemeinsam mit Henning von Papen den DLV-Kader betreut habe und die Nachfolge von Henning von Papen auch so geplant war. Ich freue mich sehr, dass ich das Amt des Bundestrainers ausführen darf und mir das Vertrauen gegeben wurde diesen Job zu machen. Ich bin sehr motiviert, gemeinsam mit den Athletinnen und im gesamten Team des DLV eine gute Arbeit zu leisten.

Was hast Du von Deinem Mentor Hennig von Papen gelernt? Wirst Du seine Trainingsphilosophie übernehmen oder versuchst Du auch eigene neue Akzente in Deine Arbeit einzustreuen?

Da ich sogar schon als Athlet bei Henning vom Papen beim ASV Köln trainiert habe, hat mich seine Trainingsphilosophie natürlich geprägt. Einige Tempolaufprogramme habe ich von ihm übernommen. Aber ich habe während meiner Zeit als Athlet in unterschiedlichen Vereinen mit unterschiedlichen Trainern, in meinen eigenen Trainerstationen und in meinem Studium der Sportwissenschaften viele Erfahrungen sammeln können und unterschiedliche Trainingskonzepte kennengelernt. Ich habe aus diesen Erkenntnissen das für mich Leistungsentscheidende herausgezogen und setzte dieses im Training um. Ich denke, dass eine Mischung aus Altbewährtem und neuen Reizen die beste und erfolgversprechendste Mischung ist.

Die Aufgabe als verantwortlicher Bundestrainer ist sicher etwas Besonderes für Dich. Aber sie gilt auch mitunter als schwierig. Da sind im Persönlichkeitsbild Ecken und Kanten gefragt. Du giltst eher als besonnen und einfühlender Charakter. Musst Du Dir ein dickes Fell aneignen?

Der Job des Bundestrainers und Stützpunkttrainers in Leverkusen ist eine Herausforderung, da sehr unterschiedliche Charaktere von Athleten und Heimtrainern zu betreuen sind. Es ist viel Arbeit, manchmal möchte ich mich gerne dreiteilen können. Ich denke, dass für den Umgang mit Athletinnen ein gewisses Einfühlungsvermögen wichtig ist, schließlich ist Leistungssport auch ein sehr emotionaler Bereich. Ecken und Kanten braucht man nicht, aber eine durchdachte und feste Meinung. Wir möchten im gesamten DLV-Team Lauf in den nächsten Jahren das Vertrauen zu den Athletinnen und Athleten sowie deren Heimtrainern stärken und gemeinsam mit allen Beteiligten den Lauf in Deutschland mit frischem Wind nach vorne bringen. Da sind wir schon auf einem guten Weg. Ich wünsche mir, dass ein sportliches „Miteinander“ entsteht.

2018 stehen die Europameisterschaften in Berlin im Mittelpunkt der Zielsetzung und des Interesses. Was glaubst Du können die Frauen mit Konstanze Klosterhalfen und Alina Reh als Aushängeschilder des Verbandes in Berlin erreichen?

Eine Heim-EM ist wirklich ein tolles Ziel, für welches die Athletinnen höchst motiviert arbeiten. Neben den beiden genannten Frauen sind auch noch andere sehr vielversprechende Athletinnen auf den Laufbahnen Deutschlands unterwegs. Hanna Klein hat im letzten Jahr ebenfalls eine tolle Entwicklung gezeigt, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass einige Kandidatinnen ihr Potentiale in diesem Jahr umsetzten können, bei der EM vorne mit dabei sein werden und Medaillen gewinnen.

Siehst Du, dass im Sog von Konstanze und Alina weitere starke Nachwuchskräfte das „Fräulein-Wunder“ im DLV vorantreiben?

Ja, das ist auf jeden Fall zu spüren. Besonders die jüngeren Athletinnen merken, dass es auch als Europäerin möglich ist in der Weltspitze mitzulaufen. Das motiviert die Läuferinnen natürlich sehr. Auch international kommen immer mehr Anfragen wie in Deutschland trainiert wird, das ist eine tolle Entwicklung.

Als Vereinstrainer und Ziehvater von Konstanze Klosterhalfen ist es Dir gelungen das Talent in einer jungen Frau zu entwickeln und zielgerichtet weiterzuführen. Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Geduld und kontinuierliches, verletzungsfreies Training. Es ist wichtig nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern das Training langfristig aufzubauen und altersgerecht zu steigern. Nur so kann ein großes Talent, was Konstanze zweifelsohne ist, sich langfristig entwickeln. Wir trainieren relativ viel im Kraftbereich und bauen prophylaktische Übungen im Training ein, beispielsweise Fußkräftigung im Sand. Im Training baue ich Inhalte wie Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination gezielt ein, dies Bedarf eines gewissen Fingerspitzengefühls im Austausch mit der Athletin. Konstanze hat eine besondere Eignung fürs Laufen, die sich aus einer optimalen Mischung aus aerober und anaerober Kapazität der Muskulatur und dem Stoffwechsel zusammen setzten muss. Zusätzlich ist sie ehrgeizig und fokussiert, läuft dabei trotzdem befreit und mit Leidenschaft. Dies versuche ich ihr zu bewahren.

Wenn man Sebastian Weiß in 15 Jahren zum Interview bitten würde, was hoffst  Du dann von Dir zu lesen?

Ich hoffe, dass es mir und dem DLV-Team möglich war den Lauf in der erweiterten Weltspitze zu etablieren, die vorhandenen Potentiale auszuschöpfen und mit Deutschen Läuferinnen und Läufern international und national Freude und Erfolg gebracht haben. Ich hoffe, dass im Laufbereich eine gesunde Konkurrenz herrscht, in welcher gemeinsam mit allen Beteiligten Spitzenleistungen erbracht werden können. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, meine Athletinnen und Athleten zu motivieren und zu unterstützen, ihre individuellen Ziele zu erreichen und in ihre sportliche Leistung und Persönlichkeit zu entwickeln.

Mit Sebastian Weiß sprach Jörg Valentin

Foto: privat

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